hippoly

Hundeerziehung leicht gemacht

Besitzer: hippoly

Hundeerziehung ist nicht immer einfach, die Erfahrung habe ich auch gemacht.
Ich will Euch deswegen hier an meinen Erfahrungen teilhaben lassen, die ich bei der Arbeit und vor allem in zig Seminaren sammelte - immer orientiert an den Lerngesetzen der Hundepsyche.
Viel Spaß beim stöbern!

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01.04.2009 08:30

hippoly

Kinder und Hunde

Mich beschäftigt immer wieder, wie man Kinder und Hunde unter einen Hut und in ein Rudel bekommt - nicht zuletzt, da ich selbst einen Sohn und eben Hunde habe.

Fakt ist - es gibt nicht "das" richtige Prinzip. Es gibt Regeln, die man einhalten sollte. Man muss sich dem Charakter des Hundes anpassen. Deswegen will ich ein bisschen berichten, wie es bei uns gewesen ist, was für uns genau richtig ist.

2006 bekam ich meinen Rüden - einen Hund, der für Kinder nichts übrig hat. Der gern mal erzieht, wenn man ihm die Möglichkeit dazu gibt.

Schließlich tun Kinder - besonders Kleinkinder - gern mal Dinge, die der Hund 1. nicht versteht und 2. unter Hunden so niemals dulden würde.

Die Nachricht, dass ich schwanger bin kam erst nach Einzug des Hundes - und so war ich gezwungen mich intensiv mit dem Thema zu beschäftigen.

Kinder sind Tabu für Hunde. Sie gehören mit zum Rudel, sie nehmen am Familienleben teil - aber sie dürfen nicht zur Rangordnung gehören.

Wer zur Rangordnung gehört, der hat alle Vorzüge - den Schutz des Rudels, das Spiel, die Fürsorge - aber er hat auch alle Nachteile - die Strafen. Tut das Kind etwas, was dem Hund nicht passt, dann wird der Hund zwangsläufig das Kind zurechtweisen. Das hat absolut nichts mit Aggression zu tun, das ist normales Hundeverhalten. Und genau deswegen ist es wichtig, dass wir unsere Kinder schützen.

Ich rede nicht davon Hunde und Kinder getrennt voneinander aufwachsen zu lassen. Sondern davon klare Regeln einzuführen.

Der Hund muss lernen, dass man dem Kind eben das Essen nicht aus der Hand nimmt. Dass man Kinder nicht umrennt, dass Kinder sich frei bewegen dürfen, auch wenn sie noch so sehr schreien und Krach machen.

Genauso muss das Kind aber lernen, dass der Hund einen Ruheplatz braucht. Und wird dieser aufgesucht, dann hat das Kind dort nicht hinzugehen.

Es klingt so einfach - mit verständigen Kindern klappt das auch super, wenn das Kind zuerst da war und der Hund später kam.

Aber wenn es so läuft wie hier, erst die Hunde da, dann kam das Kind, dann kann es schon schwierig werden, wenn das Kind mobil wird.

Da wird überall hingekrabbelt - auch auf die Hundedecken. Es gibt doch keinen besseren Platz sich zu verstecken als im Körbchen. Oder ein kleines Nickerchen zu machen. Dort ist es schließlich warm und weich.

Kinder müssen aber lernen, dass sie das nicht dürfen. Ich zumindest lasse das hier nicht zu. Ich mag nicht, dass die Hunde in meinem Bett liegen, also lege ich mich nicht in ihres - und genausowenig hat mein Sohn etwas da verloren. Auf ihren Decken sind die Hunde immer sicher.

Auch Kontaktaufnahmen habe ich die erste Zeit sehr sehr eingeschränkt. Geschaut, dass die Hunde lernen, dass das Kind eben noch nicht sicher auf den Beinen ist, dass es kein Spielzeug ist.

Wie verhindert man jetzt aber eine Rangordnung zwischen beiden?

Hier klappte es, indem das Kind die Hunde nicht füttern darf und auch nicht mit ihnen spielt ohne dass ich dabei bin. 

Wirft mein Sohn einen Ball werde ich angesehen, ob sie hinterher rennen dürfen - und sie bringen den Ball zu mir zurück, ich gebe ihn meinem Sohn. Die Hunde selbst bringen den Ball nicht zu meinem Sohn.

Bei Futter - klar versucht mein Sohn die Hunde mal mit einem Keks anzulocken. Er hat schnell verstanden, dass man mit etwas Futter viel leichter an sie rankommt. Sie gehen zwar hin und schnuppern, sie machen auch Sitz, ohne dass er sie auffordert, aber sie nehmen es nicht. Außer er legt es auf den Boden und geht einen Schritt zur Seite - dann ist die Leckerei freigegeben.

ich finde das wichtig. Denn viel zu oft schnappen Hunde in ihrer Gier einfach nach der Leckerei - und das Geschrei ist groß, wenn die Zähne die kleine Kinderhand streifen. 

Es ist in den meisten Fällen doch nichtmal Absicht der Hunde, es passiert einfach so. 

Bei einem kleinen Hund mag das noch ohne Folgen bleiben - wenn aber ein massiger Hund wie eine Dogge so etwas macht, dann wäre das Geschrei an allen Ecken wieder groß. Der große böse Hund. 

Man sieht einfach nicht, dass man das als Rudeloberhaupt doch selbst provoziert.

Kinder haben dem Hund keine Befehle zu geben. Natürlich versuchen sie es - aber wer Befehle erteilt, der stellt sich selbst einen Rang höher - und damit voll in die Rangordnung. Die Hunde müssen aber wissen, dass sie da nicht drauf zu hören haben. Hier klappt es, weil ich die Regeln einhalte. Kind und Hund wachsen nebeneinander auf - aber nicht zusammen in einer Rangordnung.

Und wie integriert man Kinder nun in die Rangordnung, wenn sie alt genug sind? Indem man ihnen langsam mehr Aufgaben zuteil werden lässt.

Hier mal dem Hund vor seinen Augen das Futter in den Napf tun und hinstellen, hier mal ein kleines Kommando und die Durchführung belohnen, da mal an- oder ableinen, hier mal den Ball werfen und den Hund zurückrufen... Langsam vorgehen, ein Schritt nach dem anderen.

Und erst, wenn das Kind alt genug ist, um wirklich verständig zu sein, wenn es wirklich die Hundesprache versteht und selbst anwenden kann.

Mein 2jähriger ist genial im Umgang mit Hunden - aber längst nicht so weit, dass ich ihn integrieren würde. Bevor er nicht 10 Jahre alt ist wird das nichts. Egal wie es sich weiterentwickelt.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Kinder erst ab 10/12 Jahren wirklich verstehen wie Hunde denken, erst dann können sie wirklich darauf eingehen.

Guter Umgang will von Anfang an gelernt sein. Nicht immer einfach, vor allem nicht immer nervenschonend.

Aber es funktioniert.

ich sage nicht, dass mein Weg DER richtige ist - aber für unser Rudel ist es der beste Weg, den ich wählen konnte.

Kontakt findet kontrolliert statt - aber nur da, wo ich es erlaube. Für beide Seiten.

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28.03.2009 09:20

hippoly

Herankommen

Herankommen – ein leichtes Wort und man ist schnell verleitet zu denken, dass man das einem Hund auch ganz einfach beibringen kann.

Bei einem Welpen funktioniert das auch noch so. Die haben noch den angeborenen Folgetrieb und sind darauf aus beim Rudel zu bleiben. Da geht es ganz einfach. Hinhocken, den Hund ranrufen und ausgiebig loben, wenn er sich in Bewegung setzt – und noch mehr, wenn er da ist. Sei es nun, dass man ihn knuddelt, mit ihm tobt oder ein Stückchen Fleischwurst vor die Nase hält – Hauptsache belohnt, damit der Hund überhaupt erstmal versteht, was wir da eigentlich von ihm wollen.

Ist es bei einem Welpen noch so einfach, ist es bei einem Junghund oder gar einen erwachsenen Hund nicht mehr ganz so einfach, wenn der nicht gut auf Menschen geprägt ist. Das musste ich auch lernen, als der erste Straßenhund hier eingezogen ist. 

War meine erste Hündin schon als Welpe zu mir gekommen, zeigte mir mein Rüde als Junghund, dass es eben auch anders geht.

Herankommen – was bitte ist das? Muss man das machen? Überall anders ist es doch viel interessanter!

Da hilft es nur den Hund an der Leine zu behalten. Sei es nun, dass man eine Schleppleine nimmt oder eine Flexi als Langlaufleine – wie, das ist egal. Aber der Hund sollte erst abgeleint werden, wenn er das Herankommen an der Leine schon beherrscht. Und dazu muss er erstmal die Stimme kennen und zuordnen können. Bei den Streicheleinheiten zu Hause also ruhig leise mit dem Hund sprechen. Bei so empfindlichen Ohren müssen wir nicht laut sein, um verstanden zu werden. Reagiert der Hund dann im Haus schon auf die Stimme, kann das auf draußen ausgeweitet werden. 

Auch da gilt das Prinzip – ich lobe Dich, wenn Du tust, was ich will – bis der Hund es wirklich begriffen hat. Das kann schon nach zwei Mal sein, das kann aber auch bis zu 9.000 mal dauern. Also ist Geduld angesagt und nicht verzweifeln.

m Anfang reicht ein Lob, wenn der Hund sich in unsere Richtung dreht, wenn wir seinen Namen sagen. Er soll ja lernen, dass wir ihn ansprechen. Klappt das, kann man mit heranlocken anfangen.

An der Schleppleine finde ich es sehr einfach – ich rufe den Hund und zieh leicht an der Leine, bis er sich in meine Richtung bewegt. Dann lobe ich. Kommt er noch näher zu mir ran, bekommt er seine Belohnung, wenn er da ist – sei es nun knuddeln oder ein Leckerli. Das kommt auf den Hund an. Nicht jeder Hund nimmt Leckerli – dafür mag aber auch nicht jeder Hund geknuddelt werden. Gerade wenn der Hund sich vielleicht erst daran gewöhnen muss in menschlicher Gesellschaft zu sein – in guter menschlicher Gesellschaft.

Nicht aufgeben – Hund haben nunmal auch ihren eigenen Kopf. Je interessanter wir für den Hund sind, umso besser. Also viel mit dem Hund beschäftigen. Das stärkt die Bindung und hilft damit auch beim Heranholen des Hundes auf Kommando.

Und jetzt mal ehrlich – wenn wir etwas unglaublich interessantes sehen und von jemandem gerufen werden, der uns vielleicht nur langweilt – würden wir dann wirklich dem Ruf folgen?

Also nicht wütend werden, wenn der Hund nicht sofort kommt – sondern gerade in der Anfangszeit trotzdem loben, wenn der Hund kommt und nicht ignorieren. Dann versteht der Hund erst recht nicht, was wir eigentlich von ihm wollen.

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25.03.2009 19:17

hippoly

Leine laufen

Leine laufen - zwei kleine Worte, die gar nicht so einfach umzusetzen sind.

Es sagt sich ziemlich leicht, mit dem Hund an der Leine laufen. Aber wie genau funktioniert es jetzt? Wie bekommt man es richtig gut hin?

Zuerst einmal sollte man sich die Frage stellen, was man eigentlich will. Wie der Hund neben einem laufen soll an der Leine. 

Soll es richtiges Bei Fuß sein mit Blickkontakt oder reicht es auch einfach, wenn die kurze Führleine durchhängt und der Hund ruhig neben einem her geht? Oder ist es gar egal, wenn der Hund zieht, solang er niemanden anpöbelt?

Die Ansprüche sind so unterschiedlich wie die Halter und ihre Hunde. Aber eine Grundregel gibt es - der Hund muss gut an die Leine gewöhnt werden. Die Leine sollte keine Strafe sein. Ist sie es doch, sind Probleme beinah vorprogrammiert.
Ich kann nur berichten wie es bei uns gewesen ist. Meine verstorbene Hündin hat nie gezogen. Niemals. Sie war bei ihrem Züchter schon an die Leine gewöhnt, hatte hier auch keine Anpassungsschwierigkeiten. Sie pöbelte nicht an der Leine, eigentlich war alles prima. Zumindest an der Leine

Bei meinem Rüden, nun, da war alles anders. Schon als ich sah, wie sein altes Herrchen ihn versuchte anzuleinen war mir klar, dass das nicht einfach wird. Und ja - er hat gezogen. 

Er fand aber nicht nur, dass ziehen wunderbar und in Ordnung ist - er war auch der Meinung, dass man Radfahrer von ihrem Drahtesel holen kann oder Passanten sich besser hinsetzen sollten, damit er ihnen besser ans Gesicht kommt.
Und andere Hunde erst - nur noch ein Grund mehr sich in die Leine zu werfen.
Ich hatte so manches Mal Angst, dass der Karabiner das nicht hält. Oder dass er mir die Schulter auskugelt.

Ich habe nicht den Anspruch, dass die Hunde Blickkontakt halten, wenn wir an der Leine gehen - aber zumindest ein bisschen auf mich achten und meine Arme heil lassen. Ich mag keine gespannten Leinen, ich mag es locker hängend.

Es dauerte Ewigkeiten das hinzubekommen. Wochen, Monate, mehr als ein Jahr, bis es endlich so weit war, dass er niemanden mehr anpöbelte, bis er endlich ordentlich an der Leine lief.

Geholfen haben Richtungswechsel. Sobald sich die Leine spannte bin ich in die andere Richtung gegangen. Bis sie sich wieder spannte. Nun, nach Monaten hatte er endlich genug und hat sich benommen an der Leine. Zumindest hat er aufgehört zu ziehen.

Leine laufen ist harte Arbeit - auf beiden Seiten.Leine laufen ist harte Arbeit - auf beiden Seiten.

Unsere Umwelt ist so interessant für Hunde. Bei jedem Spaziergang sind neue Gerüche da, haben sich Fährten verändert, haben andere Hunde ihre Duftmarken hinterlassen. Alles ein Grund nicht gut an der Leine zu gehen - und wir zwingen sie doch dazu.

Auf den Hund zu achten macht es einfacher. Nicht an der Leine rucken. Das Halsband sitzt so sensibel, dass wir den Hund schwer verletzen können. Und Geduld zeigen. Würden wir gern an der Leine gehen, wenn alles so interessant ist? Wir können von unseren Hunden nicht erwarten, dass es von heute auf morgen klappt. 
Hilfsmittel gibt es viele - Halti, Harness, Würger, ... All das braucht man nicht, wenn man wirklich Geduld und Ausdauer zeigt.Hilfsmittel gibt es viele - Halti, Harness, Würger, ... All das braucht man nicht, wenn man wirklich Geduld und Ausdauer zeigt.

Bei uns hat es geklappt - und wir konnten ohne Leine laufen. Um die Leinenbefreiung zu bekommen mussten wir zeigen, dass wir mit und ohne Leine super laufen können - und die meisten Probleme entstehen erst an der Leine, weil unsere Hund uns nicht wirklich ernst nehmen, weil wir uns nicht vertrauenswürdig genug erweisen in Krisensituationen.

Hier heißt es Sicherheit vermitteln. Der Hund kann sich an der Leine nicht so wehren wie er es ohne könnte – und das weiß er. Das merken Hunde sehr schnell. Haben sie dann auch noch das Gefühl, dass das andere Ende der Leine versagt, wird es noch schwerer. Also müssen wir durch unser Auftreten klarmachen, dass wir immer genau wissen, was zu tun ist. Allein durch selbstsicheres Auftreten können wir einiges besser machen.

Bei der Leinenbefreiung zeigte sich für uns, dass monatelanges Training sich auszahlt - aus einem ehemals ziehendem Leinenpöbler wurde ein super ruhiger Hund. Der bis zur Ernennung der Befreiung super lieb war.

Und dann, drei Nummern vor uns sprang ihm ein Grashüpfer vor die Füße.Und dann, drei Nummern vor uns sprang ihm ein Grashüpfer vor die Füße.
Bellende Hunde konnten ihn nicht aus der Ruhe bringen. Auch klatschende Menschen, Betrunkene, Kindergeschrei aus eiernden Kinderwagen nicht.

Aber dieser kleine Grashüpfer brachte meinen angeleinten Hund dazu ihm hinterher zu springen - und die Leinenbefreiung war für uns gelaufen.

Beim nächsten Anlauf haben wir es gepackt - trotz lachendem Prüfer, der sich an uns erinnerte.
Tja, Leine laufen ist eben nicht alles

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